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Freitag, 11. Januar 2013

Ein Spaziergang mit Ernst Jandls Gedichten

Als Hommage an den bedeutenden Wiener Schrift­steller und Dichter Ernst Jandl (1925–2000) werden die Statio­nen dieses Spazier­gangs von drei aus­gewähl­ten Gedichten des groß­artigen Sprach­zaube­rers bestimmt.


Das erste Gedicht, "im park", führte mich in den Ernst-Jandl-Park auf der Wieden, Schlüssel­gasse 4. Der etwa 300 m² große Beserl­park hieß vormals Schlüssel­park und wurde im Oktober 2005 zu Ehren des großen Lyrikers umbenannt. In der Nähe des Parks, am Bundes­real­gym­na­si­um Walter­gasse, hatte Jandl als Gymna­si­al­lehrer gearbei­tet.

im park

bitte ist hier frei
nein hier ist besetzt
danke
bitte ist hier frei
nein hier ist besetzt
danke
bitte ist hier frei
nein hier ist besetzt
danke
ist hier frei
nein hier ist besetzt
danke
ist hier frei
hier ist besetzt
danke
ist hier frei
nein besetzt
danke
bitte ist hier frei
nein
danke
hier frei
besetzt
danke
ist hier frei
nein hier ist leider besetzt
danke
ist hier frei
bitte
danke

Link: Gedichttext und Lesung Jandls auf lyrikline.org

Eingang zum Ernst-Jandl-Park

Kinderspielplatz im Ernst-Jandl-Park

Bundesrealgymnasium Waltergasse –
hier arbeitete Jandl als Gymnasiallehrer

Ein heiteres Beispiel für Jandls Marken­zeichen, Buchstaben, Silben oder ganze Wörter zu ver­tauschen, zu zer­legen oder aus­zu­lassen, ist sein Gedicht "klos". — Was wäre hier als nächster Pro­gramm­punkt dieses Spazier­gangs geeigne­ter als das wohl schönste "stille Örtchen" in Wien, die öffent­liche Bedürf­nis­anstalt am Graben?! Die Jugend­stil­toi­let­te im 1. Wiener Gemeinde­bezirk ist die erste unter­irdisch errich­tete Bedürf­nis­anstalt der Stadt. Sie steht unter Denk­mal­schutz, ist jedoch noch immer in Betrieb.

klos

klos, sein da wo klos?
du gehen rund den knödel
du dann finden den türen
sein drauf stehn >männeken<
du dort treten innen
du dort finden den rinnen
du machen auf den hos.
du wissen was dann tun?
ja ich wissen was dann tun.
so ich gehen rund den knödel
ich dann finden den türen
sein drauf stehn >männeken<
ich dort treten innen
ich dort finden den rinnen
ich machen auf den hos
ich nix finden darinnen.
rasch ich zumachen den hos
rasch ich treten außen
finden den türen neben
sein drauf stehn >fraunen<
sein ich erstaunen
daß in mein leben das
ich haben können vergessen

Link: Gedichttext und Lesung Jandls auf lyrikline.org


"fraunen klos"

Abgang zur unterirdischen Bedürfnisanstalt

"treten innen"

"finden den rinnen"

Jandl ist berühmt für seine humorvollen Sprachspiele, er sollte aber keinesfalls darauf reduziert werden. Als drittes Gedicht habe ich daher "wien: heldenplatz" ausgewählt, ein Gedicht, in dem Jandl ein dunkles Kapitel der österreichischen Geschichte thematisiert. Konkret bezieht sich dieses Gedicht auf die Kundgebung am Wiener Heldenplatz am 15. März 1938 im Zuge des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich. Vom Balkon der Hofburg verkündete Hitler den Massen an diesem Tag "den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich". (Für eine ausführliche Gedichtinterpretation siehe etwa wien: heldenplatz - Wikipedia.)

Kundgebung am 15. März 1938 am Wiener Heldenplatz
Deutsches Bundesarchiv Bild 183-1987-0922-500

Österreichische Sonderpostmarke zum Gedenkjahr 1988:
"11. März 1938 – Finis Austriae"

wien: heldenplatz

der glanze heldenplatz zirka
versaggerte in maschenhaftem männchenmeere
drunter auch frauen die ans maskelknie
zu heften heftig sich versuchten, hoffensdick
und brüllzten wesentlich.

verwogener stirnscheitelunterschwang
nach nöten nördlich, kechelte
mit zu-nummernder aufs bluten feilzer stimme
hinsensend sämmertliche eigenwäscher.

pirsch!
döppelte der gottelbock von Sa-Atz zu Sa-Atz
mit hünig sprenkem stimmstummel.
balzerig würmelte es im männechensee
und den weibern ward so pfingstig ums heil
zumahn: wenn ein knie-ender sie hirschelte.

Link: Gedichttext und Lesung Jandls auf lyrikline.org

Heldenplatz und Neue Hofburg

Heldenplatz mit Reiterstandbild Erzherzog Karls

Reiterdenkmal und Äußeres Burgtor

Heldenplatz mit Leopoldinischem Trakt der Hofburg

Äußeres Burgtor zur Heldenplatzseite

Weiterführende Informationen:

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Wiener Weihnachtszauber

Mariahilfer Straße
Wiener Staatsoper

Kärntner Straße

Ringstraßen-Galerien

Café Frauenhuber, Himmelpfortgasse
Weihburggasse
Palais Coburg
Festbeleuchtung am Graben


Habsburgergasse
Spiegelgasse
Kohlmarkt im Lichtermeer


Stephansdom mit Christbaum

Punschstand am Michaelerplatz
Michaelertrakt der Hofburg
Café Griensteidl, Michaelerplatz
Café Central, Herrengasse
Wiener Rathaus mit Christkindlmarkt
Christkindlmarkt am Rathausplatz – Blick Richtung Burgtheater
Christbaum vor dem Wiener Rathaus

Bald werden die Punschstände abgebaut sein und der Rathausplatz wird sich wieder in ein Eislauf­paradies verwandeln. Der "Wiener Eistraum" findet 2013 von 24. Jänner bis 10. März statt. Mehr Informationen über diese Veranstaltung und einige schöne Bilder gibt es in meinem Beitrag über den letztjährigen Eistraum, der hier abrufbar ist. Zur offiziellen Veranstaltungs­homepage geht es hier.

Dienstag, 8. Juni 2010

City-Spaziergang vom Stephansdom zum Burggarten

Strahlender Sonnenschein machte am Samstag meinen Spazier­gang durch die Wiener Innen­stadt zu einem beson­ders schönen Erleb­nis. Ausgangs­punkt war das bedeutendste Wahr­zeichen Wiens, der Stephansdom. Vom "Steffl", wie die Wiener den Stephans­dom oft kurz nennen, führte mich mein Weg in den maleri­schen Burg­garten, eine grüne Oase mitten in der Stadt.

Die Wegroute im Detail: Stephan­sdom – Stock-im-Eisen-Platz – Graben – Bräuner­straße – Stall­burg­gasse – Dorotheer­gasse – Josefs­platz – Augustiner­straße – Lobko­witz­platz – Helmut-Zilk-Platz – Albertina­platz – Burg­garten.

Beginn meines Spaziergangs durch den 1. Bezirk – im Bild das Erzbischöf­liche Palais in der Roten­turm­straße, im Hinter­grund der Stephans­dom:


Stephansdom im Sonnenschein: Der römisch-katholische Dom ist eines der wichtigsten gotischen Bau­werke in Öster­reich. Im Zeit­alter der Gotik standen hier aller­dings noch keine Palmen…


Der Steffl besitzt vier Türme: Der Süd­turm ist mit 137,44 Metern der höchste davon. Der Nord­turm, dessen Bau nie fertig­gestellt wurde, misst 68 Meter. In ihm befin­det sich die Pummerin, die größte Glocke Öster­reichs und zweit­größte frei­schwin­gend läut­bare Kirchen­glocke der Welt. Die zwei West­türme (Heiden­türme) sind rund 65 Meter hoch; sie befinden sich links und rechts vom Haupt­portal.

Im Bildvordergrund: der linke West­turm, dahinter der unvollen­dete Nord­turm.


Rechts im Bild der Süd­turm, links der zweite der West­türme. Das markant gemusterte Dach des Stephansdoms besteht aus etwa 230.000 Ziegeln.


Das Haas-Haus am Stock-im-Eisen-Platz (Architekt: Hans Hollein) stellt einen starken Kontrast zum gegen­über­liegen­den Stephans­dom dar, der sich im ver­glasten Teil des Hauses spiegelt:


Die beeindruckende Kulisse des Graben, eine der berühm­testen und exklusiv­sten Einkaufs­straßen in der Wiener Innen­stadt:


Am Graben: Pestsäule und Generali-Hof:


Der Graben-Hof:


Vom Graben geht es weiter in die Bräuner­straße. Im Bild das 1816 gegrün­dete Schuh­macher­atelier Rudolf Scheer & Söhne, dem 1878 der Titel "k.u.k. Hof­schuh­macher" verliehen wurde:


Am 7. Dezember 1801 in der Bräuner­straße geboren: der große öster­rei­chische Volks­dichter Johann Nestroy. Im Bild: Nestroys Geburts­haus in der Bräuner­straße 3:


Ecke Bräunerstraße Stallburg­gasse: Zwei­spännige Lohn­kutschen, genannt Fiaker, prägen das Stadt­bild Wiens seit hunder­ten von Jahren und sind heute eine beliebte Touristen­attraktion. Die erste Lizenz wurde im Jahr 1693 erteilt. In ihrer Blüte­zeit 1860–1908 gab es über tausend Fiaker in Wien, 2008 waren es 144. Weib­liche Kutscher gibt es in Wien erst seit dem Jahr 1984.


Stallburggasse mit Blick Richtung Habs­burger­gasse:


Stallburggasse mit Blick Richtung Dorotheer­gasse:


Die 1783–1784 erbaute Evange­lische Kirche H.B., Dorotheer­gasse 16:


Evangelische Kirche A.B., Dorotheer­gasse 18 (1582–1583 erbaut, klassi­zis­tische Fassade von 1907):


Das prunkvolle Palais Dorotheum in der Dorotheer­gasse 17:


Das beeindruckende Gebäude der Österrei­chi­schen National­biblio­thek, Ein­gang Josefs­platz:


Das Reiterdenkmal von Kaiser Joseph II. vor der Nati­onal­biblio­thek:


Das Palais Pallavicini am Josefsplatz 5 mit Karyatiden­portal und klassi­zis­tischer Fassade:


Die römisch-katholische Augustiner­kirche wurde von 1330 bis 1339 erbaut und befin­det sich in der Augustiner­straße 3. Die ehe­malige Hof­pfarr­kirche St. Augustin war Schau­platz vieler berühm­ter Ehe­schließungen, so heira­tete hier Kaiser Franz Joseph I. am 24. April 1854 seine "Sisi", Prinzessin Elisabeth in Bayern.


Das Österreichische Theatermuseum im barocken Palais Lobko­witz, Lobko­witz­platz 2: Im prächtigen Palais befindet sich auch der berühmte Eroica-Saal, in dem Ludwig van Beet­hoven einst Konzerte gab. Beet­hoven widmete dem kunst­sin­nigen Fürsten und bedeuten­den Mäzen Lobko­witz zahl­reiche Werke, darun­ter seine 3. Sym­pho­nie mit dem Bei­namen "Eroica". Nach dieser Titu­lierung erhielt der Fest­saal auch seinen heutigen Namen. Im Jahr 1807 fand im Palais Lobko­witz die Urauf­­füh­rung von Beet­hovens 4. Sym­pho­nie statt.


Die Augustinerkirche vom Lobko­witz­platz aus gesehen (rechts im Bild: Teil des Theater­mu­se­ums):


Die nach ihrem Begründer Herzog Albert Kasimir von Sachsen-Teschen benannte Alber­tina: Das Museum am Alber­tina­platz 1 ver­wahrt eine der bedeuten­dsten und umfang­reichsten Graphik­samm­lungen der Welt. Neben der Graphi­schen Samm­lung beherbergt das Museum eine Archi­tek­tur­samm­lung und eine Photo­samm­lung. In der Samm­lung der Alber­tina befindet sich u.a. das berühm­te Aqua­rell "Feld­hase" von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1502.


Der von Hans Hollein gestaltete Soravia-Wing auf der Albertina-Rampe, ein 64 Meter langes Flug­dach aus Titan, darunter auf dem Helmut-Zilk-Platz das Mahn­mal gegen Krieg und Faschis­mus des öster­rei­chischen Bild­hauers Alfred Hrdlicka (1928–2009):


Blick auf das legendäre Hotel Sacher und die ehrwürdige Wiener Staats­oper von der Albertina-Rampe:


Das Reiterstandbild Erzherzog Albrechts auf der Albertina-Rampe:


Das prächtige Opernhaus von der Alber­tina aus gesehen:


Die Hofburg, Amtssitz des öster­rei­chischen Bundes­präsi­denten, und das Dach des Palmen­hauses von der Alber­tina aus gesehen:


Das herrliche Palmenhaus, 1901 nach Plänen von Friedrich Ohmann erbaut, beher­bergt auch ein Schmetter­lings­haus:


Am Ziel meines heutigen Spazier­gangs ange­langt, dem Burg­garten. Bild: Die Park­an­lage von der Ter­ras­se des Palmen­hauses aus gesehen, im Hinter­grund die Hof­burg.


Im Burggarten lässt sich ein Früh­sommer­tag beson­ders gut genießen - eine 38.000 m² große Grün­zone mitten in der Wiener Innen­stadt:


Das Palmenhaus vom Burg­garten aus gesehen:


Das Mozart-Denkmal im Burg­garten, davor ein riesiger Violin­schlüs­sel aus Blumen zu Ehren des welt­berühm­ten öster­rei­chischen Kom­po­nis­ten:


Das wuchtige Goethe-Denkmal vor dem Ein­gang zum Burg­garten am Ring:


Damit endet mein wunder­schöner Spazier­gang durch den 1. Wiener Gemeinde­bezirk.